Wir dürfen uns nicht in der Gegenwart aufhalten!

Ein Interview mit Dr.Ernst Antensteiner

Unternehmensberater, Eigentümer, Stratege und Visionär

 

Corona beschäftigt uns seit einem Jahr nonstop. Wie ist Deine Sicht auf Corona und wie es unseren Arbeitsalltag beschäftigt?

In den letzten Monaten wurden die Führungskräfte in Wirtschaft und Verwaltung ordentlich gefordert. Führung ist Beziehungsarbeit. Corona ist kein Problem, das wir nicht mit unseren antrainierten Fähigkeiten lösen können. Es hilft uns nicht, täglich auf das Corona-Dashboard der Ages zu blicken. Das Covid-Virus ist zu akzeptieren (erinnert mich an Bert Hellinger - „Anerkennen, was ist“), damit wir mit einem klaren Blick die Situation meistern. 

 

Warum ist es so wichtig auf der Führungsebene zu arbeiten?

Führungskräfte zuerst- wie im Katastrophenfall im Flugzeug - zuerst die Mütter! Wir brauchen jetzt umso mehr emotionale Führungsarbeit um Überzeugung, Vertrauen und Akzeptanz bei den Mitarbeitern, Kunden, Geschäftspartnern, Gesellschaftern, Banken usw. zu erreichen. Danach ist operatives und taktisches Management angesagt, um zu überleben. Die Umsätze sinken, die Zahlungsfähigkeit der Kunden wird geringer - der finanzielle Polster wird immer kleiner usw. Nicht einfach, und geht an die menschliche Substanz.

Wenn die innere Stabilität und Widerstandsfähigkeit - heute heißt das Resilienz – groß genug war und wir damit nicht in einen unkoordinierten Aktionismus verfallen sind, sondern konsequent, umsichtig gehandelt haben, dann sollte es noch einmal gut gegangen sein. In der ersten Phase der Krise bedeutet das: Kapazitäten sofort anpassen, Preise senken, staatliche Hilfen nutzen, Kontinuität gewährleisten und kleine Perspektiven schaffen. 

Gut gemanagte Krisen setzen Energie für die Zukunft frei. Umso wichtiger ist es, das Führungskräfte stark sind und Vertrauen und Sicherheit geben können - mehr den je. 

 

Wenn das in der Anfangsphase wichtig war, was ist jetzt wichtig

Rechtzeitig vor frühzeitig - ist die Devise. Die Corona Pandemie behält die Weltwirtschaft weiter fest im Griff. Die Situation ist immer noch kritisch. Aber die Erholung zeichnet sich ab und in einigen Ländern und Branchen wurde wieder Vorjahresniveau erreicht. Die Arbeitslosenzahlen gehen langsam zurück. In Europa wird sich in diesem Jahr noch einiges ändern, auch wenn es noch nicht soweit ist. Bei der Erholung der Wirtschaft nach Krisen, waren wir Europäer selten an vorderster Front.

Auch der ZARA-Pulli meiner Töchter verzeichnet schon einen beträchtlichen Preisanstieg im Vergleich zum letzten Jahr. Was sagt uns das? Es ist der Zeitpunkt gekommen vorausschauend von der Vergangenheit in die Zukunft zu blicken. Gezielt Margenerhöhungen bei den Kunden verlangen (die Kapazitäten am Markt sind ja gesunken – siehe Stahlpreis), Wachstumsinvestitionen zu starten und vieles mehr.

 

Und was denkst Du hat es aus den Menschen gemacht?

Die Menschen haben gelernt sich in dieser Krise anzupassen. Es ist keine Rezession, wie wir sie in der Vergangenheit hatten. Es wird keine Rückkehr zum „alten Normal“ geben. Die Angst vor dem Virus wird uns noch einige Zeit begleiten. Aber, es wird schon viel über die „roaring twenties“ gesprochen – der Dienstleistungssektor kann hoffen. 

 

Was heißt das für die Zukunft?

Die Zukunft braucht gesamthaft Denken. Das „neue Normal“ nach der Pandemie wird anders sein als vor Corona. Das heißt, die Unternehmen werden sich dem Markt anpassen müssen – es gibt jetzt (leider) keine Verschnaufpause. Den strukturellen Veränderungen der Digitalisierung und der Verhaltensänderung der Kunden mit und nach Corona werden uns fordern.  Mit schon weitgehend etablierten Zukunftstechnologien und neuen Prozessen mit höherer Wertschöpfung ist dem Wettbewerb zu begegnen. Die großen internationalen Unternehmen sind relativ gut durch die Krise gekommen. Die Kenntnis der Branche, die etablierten Kundenbeziehungen, die Logistik und hoffentlich nach Corona noch verbliebene finanzielle Mittel sind die Basis, auf die die Zukunft aufgebaut werden kann.

 

Was bedeutet das für unser Wertesystem? 

Deckt sich unser Wertesystem noch mit dem Wertesystem der Kunden und der Gesellschaft? Die Unberechenbarkeiten werden bleiben, können wir ein Denken in Alternativen und eine höhere Anpassungsfähigkeit erreichen? Gesamthaften Denken in Perspektiven und überzeugte Führungskräfte und Mitarbeiter - das braucht es.

 

Wenn ich Dir so zuhöre dann braucht es jetzt umso mehr eine klare aber auch eine schnelle Strategie?

Ja, genau. Allerdings ist jetzt die Devise Flüssigkeit vor Perfektion.. Eine durchdachte Strategie mit klar verständlichen Zielen sind jetzt notwendig. Buttom-up die Mitarbeiter und Führungskräfte mitzunehmen. Dann ist wieder emotionale Führungsarbeit an oberster Stelle gefordert, die operative Umsetzung liegt in der Linienverantwortung. Jetzt ist Handeln gefordert.

 

Zum Schluss, kannst du uns noch was Positives mitgeben?

Gerade nach einer Krise gab und gibt es immer wieder viele Chancen. Der Markt wird vieles nachholen. Dazu braucht es Weitblick, unternehmerischen Mut (investieren und nicht sparen) und  ein starkes Team. Die machen alle gerne mit und wir feiern wieder gemeinsam – mit oder ohne Maske. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt um den Menschen eine Perspektive zu geben.

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