Neid - warum er kein guter Ratgeber ist.

Neid zählt zu den sieben Erbsünden. Keine Sorge, das wird jetzt kein Blog über die Kirche. Ich bin gläubig, aber nicht katholisch. Trotzdem ist Neid auch im wirtschaftlichen und menschlichen Kontext ein wesentlicher Faktor, den wir nicht unterschätzen dürfen. Besonders in Zeiten wie diesen, wo wir an unsere Grundängste stossen.

Neid läuft zur Höchstform auf, wenn es einem Freund schlecht geht. Dann ist er ein zuverlässiger Partner und Retter. Er tröstet, ist verständnisvoll und immer gesprächsbereit. Das Elend des anderen macht ihn gleich. Das Gegenüber ist quasi im gleichen Boot. Die vermeintliche Freundschaft ist dicker als jedes Blut. Man wird zu Verbündeten. 

Die Freundschaft ist zu Ende, wenn der Freund plötzlich Glück empfindet oder ihm was Gutes widerfährt. Dann freut sich zwar der Neid, aber die Freude ist nicht echt. In Wahrheit ist der Neid traurig, er fühlt sich alleine gelassen. Sein Leidensgefährte ist weg. Das Glück des anderen irritiert ihn. Er kennt keine tiefere innere Zufriedenheit, ist stets auf der Suche nach Glück und das meistens im Außen. Daher ist sein Glück immer nur von kurzer Dauer.

Die langen Gespräche mit seinem glücklichen Freund sind vorbei. Er schafft es nicht nachzufragen, denn dann würde er ja am Glück des Anderen wieder teilhaben müssen und das ist nicht leicht für ihn. Daher unterhält er sich lieber über andere Themen oder meidet den Kontakt. 

Er kann sich auch nicht wirklich für den anderen freuen, im Gegenteil. Er kritisiert sein Verhalten und wenn er mit anderen Neidern eine Gruppe bildet, dann wird der Glückliche zum Feindbild dieser Gruppe und kann im äußersten Fall auch denunziert werden. 

Was macht der Zufriedene anders, wenn es seinem Freund gut geht? 

Er empfindet wirkliche Freude für den anderen. Er fragt neugierig und wissbegierig nach, wie es sein Freund geschafft hat, glücklich zu werden und wird versuchen für sich selbst daraus Strategien zu entwickeln, um auch glücklich zu werden. Wenn es ihm selbst nicht so gut geht, dann zieht er sich zurück um nachzudenken oder tauscht sich mit einem Freund aus, der ihm Wege aufzeigen kann. Der Glückliche bleibt aber stets in der Eigenverantwortung.

Ich wünsche mir aus tiefsten Herzen, daß wir neugierig bleiben, nachfragen und im Austausch mit anderen bleiben. Nur dann finden wir Inspiration, Ruhe und Unaufgeregtheit um Entscheiden zu können. Das gilt für jeden Einzelnen genauso, wie in der Wirtschaft, aber auch einer gesellschaftlichen medizinischen Krise. 

Neid war und ist kein guter Ratgeber.

 

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