Liebe und Commitment - geht das in der neuen online Welt?

Alles ist remote. Wir kaufen, telefonieren, fernsehen, feiern, sporteln, arbeiten und lieben online. 

Die letzten Wochen haben uns einen Quantensprung in Richtung Digitalisierung gebracht. Es gibt einige Vorzüge. Wir lernen in Videokonferenzen strukturiert zu sein und schnell auf den Punkt zu kommen. Ich bin erstaunt und voller Bewunderung, wie schnell Unternehmen die technische Infrastruktur geschaffen haben und ihre Prozesse rasch umgestellt haben. Jaja, auch mit ein paar Problemen, aber im Großen und Ganzen funktioniert vieles online, von dem wir vor 2 Monaten nur träumen konnten. Aber, es fehlt etwas… spüren Sie das auch?

Ein ganz anderes Beispiel vorweg. Eine Single Freundin von mir ging 4 Monate ins Ausland. Dort - Internet sei dank - ging sie ihrer Partnersuche, die sie schon in Österreich auf einer allseits bekannten Datingplattform begonnen hatte, weiter nach. Der von Expertinnen der Plattform vorgeschlagene Match entpuppte sich wahrlich als nette Bekanntschaft. Man chattete und später begannen die Beiden zu telefonieren. Verheißungsvoll blickten sie auf die Rückkehr meiner Freundin, um sich dann in „echt“ zu treffen. Das langersehnte Treffen fand also nach 4 Monaten intensiven online Kontakt endlich statt. Es blieb bei diesem einen Treffen. Aus der Verliebtheit, wollte sich nicht Liebe einstellen. Aus. Jetzt denken Sie: Was hat das bitte mit der Wirtschaft zu tun? 

Bei Kunden: Wir können über unseren Webauftritt, Webinare, unsere Videomeetings, online Verkauf etc. viel machen und es ist ein tolles und praktikables Mittel Ihre Kundenbeziehung zeitgemäß zu leben. Daran kommen wir spätestens nach Corona nicht vorbei. Vielleicht „verliebt“ sich der Kunde auch über das Internet, aber lieben wird er sie nur, wenn er sie persönlich kennt. Wenn eine Beziehung entstanden ist. Da ist das Internet ein guter Türöffner, aber sollte die Beziehung tiefer werden, dann braucht es persönlichen Kontakt.

Bei Teams: Auch hier berichten mir Führungskräfte, daß es gut läuft. Allerdings Verbindlichkeit gibt es nur im Face to Face. Also ein bestehendes Team eine zeitlang remote zu führen, ist kein Problem, aber eben nur eine gewisse Zeit. Teamgeist zu entwickeln, geht allerdings nicht online. Da muss sich das Team vorher persönlich „lieben“ gelernt haben und eine gemeinsame Identität geschaffen haben. Eine Mischung aus persönlichen Meetings und Homeworking ist die Idealvariante. Möglicherweise wird das Büro in Zukunft  kleiner und wir investieren mehr in technische Infrastruktur. Es braucht nicht mehr so viele Schreibtische, da wir flexiblere Modelle entwickeln. Zum Beispiel eine Mischung aus Homework und wöchentlichen Meetings. Oder rotierende Mannschaften, der Fantasie sollten wir keine Grenzen setzen.

Ich blicke freudvoll in die unmittelbare Zukunft. Freue mich, daß online viel mehr möglich wird und gleichzeitig, daß der persönliche Kontakt noch mehr geschätzt wird. Nach Monaten der sozialen Distanzierung und Zurückhaltung wird es Sehnsucht nach sozialer Nähe geben. 

Denn Liebe brauchen wir privat, wie beruflich ;-) 

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