Lebst Du noch? Oder bist Du schon digitalisiert?

Stellen Sie sich folgendes vor. Sie sitzen in einer großen Bahnhofshalle auf einer Bank. Plötzlich bricht ein Feueralarm aus und alle rennen aufgeregt umher, keiner weiß worum es geht, oder was zu tun ist. Sie bleiben auf der Bank und hadern mit sich. Sollen Sie jetzt auch aufgeregt herumlaufen? Nein. Sie beschließen einmal sitzen zu bleiben und die Lage in Ruhe zu sondieren.

So gehts mir manchmal mit dem Thema Digitalisierung. Seit dieses „Unwort“ im Business eingeschlagen hat, herrscht Alarm. Als hätten wir früher nie etwas mit dem Internet, Daten oder dem großen WorldWideWeb zu tun gehabt. Es bricht großer Aktionismus aus, totale Verunsicherung herrscht in den Köpfen. Es werden Metaphern und Mythen zu Digitalisierung erzählt, die in ein Kabarett passen, aber nicht in ein Unternehmen. 

Also mal langsam und an den Anfang. Als ersten Schritt rate ich meinen Klienten einmal zu definieren, was sie unter Digitalisierung in ihrem Unternehmen verstehen. Machen Sie doch eine einfache Probe: Definieren Sie in zwei Sätzen was Sie unter dem Begriff verstehen und fragen Sie dann zwei weitere Personen. Sie werden lachen über die unterschiedlichen Antworten und die Geschichten dazu. Gut, wenn wir als Unternehmen mal geklärt haben, was wir darunter verstehen, dann sind wir schon mal viel weiter.

Zweiter Schritt ist der Reifegrad des Unternehmens in Bezug auf Digitalisierung. Ein lieber Freund (danke lieber Ernst) hat mal diese Begriffe erfunden, die ich gerne hier übernehme.

Reifegrad „Lehrling“

Das Unternehmen arbeitet nur intern digital, hat eine gute laufende IT (da scheiden sich schon die Geister), aber noch keinerlei Erfahrung mit digitaler Arbeit in Verbindung mit Kunden.

Reifegrad „Geselle“

Es gibt bereits einzelne Erfahrungen mit dem Digitalisierungsprozess. Zum Beispiel das Bestellwesen oder Ticketing. Ziel ist es dies auszubauen.

Reifegrad „Meister“

Fünfzig Prozent der Unternehmensprozesse sind schon auf digitaler Basis und soll ausgebaut werden oder noch mehr professionalisiert.

Wenn wir mal definiert haben welchen Reifegrad wir haben und wo wir hin wollen, dann sind auch die Ziele klarer. Da kann es für den „Lehrling“ schon ein großer Schritt sein, wenn er nur eine WhatsApp Gruppe für das Unternehmen zum Wissenstransfer gründet. Unterschiedliche Reifegrad, unterschiedliche Erwartungen und unterschiedliche Lösungen.

Eins ist bei allen Unternehmen gleich- egal welcher Reifegrad-, sie beschäftigen sich nicht mit dem Menschen, dem sie die Digitalisierung auf´s Auge drücken. Weder intern = Mitarbeiter noch extern = Kunden. Bei dem einen löst es Euphorie und beim anderen Angst aus. Es verändert auch die Rolle und Identität eines Mitarbeiters und für den Kunden verändert sich das Image des Unternehmens. Es ist in Wahrheit ein Change Prozess und das darf man nicht aus den Augen verlieren.

Wie Sie an der Länge dieses Artikels bemerken, es ist ein großes und mannigfaltiges Thema. Ich melde mich auch wieder dazu. In der Zwischenzeit…bleiben Sie auf der Bank sitzen und sondieren Sie mal die Lage, bevor Sie in Aktionismus verfallen.

Ich setze mich gerne zu Ihnen und wir besprechen, was wir tun werden ;-)

 

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